„Bergzeit“ – Wanderung der Regionalgruppe Bayern-Süd am 03. Mai 2026

Es beginnt früh. Und doch stehen wir da – eine Gruppe von Ärztinnen, irgendwo zwischen Müdigkeit und Vorfreude, am Bahnhof Tegernsee. Manche kennen sich gut, andere nur aus E-Mails oder flüchtigen Begegnungen. Ich bin zum zweiten Mal dabei. Und während ich noch vor einem Jahr überzeugt war, dass Berge und ich keine gemeinsame Sprache sprechen, weiß ich heute: Es kommt nicht auf die Landschaft an – sondern auf die Menschen, mit denen man sie teilt.

Der Weg zur Neureuther Hütte ist kein spektakulärer Aufstieg, aber genau das macht ihn zugänglich. Gespräche beginnen nebenbei: über Dienste, PJ-Erfahrungen, Medizin in Deutschland, aber auch im Ausland, heut, aber auch früher?– und plötzlich auch über Dinge, für die im Alltag selten Raum bleibt. Schon nach kurzer Zeit öffnet sich der Blick auf den Tegernsee. Für einen Moment wird es still. Vielleicht, weil unser Beruf uns selten erlaubt, innezuhalten. 

Oben angekommen, auf der sonnigen Terrasse, wird aus Kolleginnenschaft Gemeinschaft. Es wird gelacht – nicht höflich, sondern ehrlich. Zwischen Apfelschorle und Sonnenstrahlen entsteht etwas, das keine Agenda der Welt planen kann: echte Verbindung.

Ein besonderer Moment dieser Wanderung verdient jedoch einen eigenen Absatz: Denn hier, zwischen Waldweg und Weitblick, wurde ganz inoffiziell die Gruppe „Bergzeit“ der Regionalgruppe Bayern-Süd gegründet. Geleitet wird sie von Alexandra – einer engagierten Allgemeinmedizinerin mit großem Herzen und spürbarer Leidenschaft für die Natur. Alles unterm Mentoring von unserer Vorsitzenden, Didona. Mit ihr bekommt das, was wir an diesem Tag erlebt haben, eine Struktur: Bewegung, Austausch und Gemeinschaft nicht als Ausnahme, sondern als bewusst gestalteter Teil unseres Netzwerklebens.

Genau darin liegt die Stärke des Deutscher Ärztinnenbund. Er ist nicht nur ein berufspolitisches Netzwerk, sondern eine Plattform, die Ärztinnen aller Generationen zusammenbringt – von Studentinnen bis zu Kolleginnen im Ruhestand. Ziel ist es, Austausch zu fördern, Karrierewege zu begleiten und sich für bessere, gerechtere Arbeitsbedingungen einzusetzen. 

Unsere Regionalgruppe Bayern-Süd lebt diesen Gedanken auf ihre ganz eigene Weise. Hier begegnen sich unterschiedliche Lebensrealitäten ohne Hierarchiedruck. Was zählt, ist die Perspektive.

Nach der Neureuther Alm geht es weiter Richtung Grindelalm. Der Weg wird weiter – und die Gespräche auch. Beim gemeinsamen Mittagessen planen wir die nächsten Schritte: eine Lesung mit einem Autor (Herr Kunz und sein Buch), der die Geschichte einer ausgewanderten Ärztin erzählt. Es geht um mehr als Literatur. Es geht um Fragen, die uns alle betreffen: Welche Hürden bestehen heute noch für Ärztinnen? Welche haben sich nur verändert? Und wie können wir selbst Teil der Lösung sein? 

Nicht jede von uns liebt klassische Sitzungen. Verständlich. Zwischen Klinik, Praxis, Forschung und Familie reiht sich oft Termin an Termin, Sitzung an Sitzung....und mehr Sitzen. Austausch droht zur weiteren Verpflichtung zu werden. Formate wie diese Wanderung wirken dagegen fast wie ein kleiner Befreiungsschlag – und sind gerade deshalb so produktiv. 

Denn gute Ideen entstehen selten im Sitzen (Danke, @Ute).
Ein weiteres Treffen ist bereits in Planung: mit einer Kollegin, die von ihrer Arbeit in Uganda berichten wird. Solche Einblicke sind mehr als inspirierend – sie verschieben Perspektiven. Für Studentinnen öffnen sie Horizonte, für erfahrene Kolleginnen erinnern sie daran, wie vielfältig Medizin sein kann. 

Natürlich gehört auch Struktur dazu. Projekte im Ärztinnenbund brauchen Engagement, Durchhaltevermögen und manchmal auch kritisches Feedback. Gerade Kolleginnen mit viel Erfahrung – sei es im Verband selbst oder in internationalen Netzwerken – sorgen dafür, dass aus guten Ideen tragfähige Konzepte werden. Das fordert heraus. Aber es hebt auch das Niveau?(@Renate, ganz lieben Dank dir!).

Am Ende dieses Tages bleibt vor allem eines: die Erkenntnis, dass unser Beruf nicht nur anspruchsvoll, sondern auch verbindend ist. Die Ärztinnen unserer Gruppe sind engagiert, vielseitig und inspirierend. Und vielleicht liegt genau darin die größte Stärke unseres Netzwerks: dass wir uns gegenseitig motivieren, unterstützen und gemeinsam neue Wege gehen – sei es auf einem Bergpfad oder im beruflichen Alltag.

Und wer weiß: Vielleicht wird aus einer überzeugten „Bergskeptikerin“ doch noch eine begeisterte Wanderin.

Sanziana Shiopu