Deutscher Ärztinnenbund e.V. fordert Neubewertung des Mammographie-Screenings

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatten um Nutzen und Schaden des Mammographie-Screenings fordert der Deutsche Ärztinnenbund e.V. (DÄB) eine Neubewertung des Screenings sowie umfassende Aufklärung für die Frauen und eine aussagefähige Ausweitung der Untersuchung bei hoher radiologischer Brustdichte.

Dr. med. Christiane Groß, M.A, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes dazu: „Das Jahr für Jahr 220 Millionen Euro teure Mammographie-Screening-Programm ist nach Auffassung des DÄB völlig zu recht ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik geraten. Ob das Screening nutzt, ist unklarer denn je. Auch die Regierung räumt mittlerweile massive Lücken bei der Aufklärung ein und will bis zum Herbst prüfen, welche Screenings überhaupt sinnvoll sind. Beim Mammographie-Screening setzt sie aktuell ausschließlich auf eine eigenverantwortliche Entscheidung der Frauen – und lässt sie damit ebenso allein wie die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Der DÄB fordert daher eine zügige Überarbeitung aller verfügbaren Informationen - angepasst an den aktuellen medizinischen Kenntnisstand“.

Der Deutsche Ärztinnenbund hat sowohl beim Bundesministerium für Gesundheit als auch bei der Kooperationsgemeinschaft Mammographie eingefordert, dass den untersuchten Frauen zumindest auch die radiologische Dichte der Brust mitgeteilt wird, um so die Sicherheit des Ergebnisses besser einschätzen zu können.

Dr. med. Christiane Groß, M.A. ergänzt: „Es ist bekannt, dass die Zuverlässigkeit der Mammographie wesentlich von der Dichte des untersuchten Brustgewebes abhängt. Die Leitlinien zur Mammographie schreiben daher vor, bei einer hohen Brustdichte eine ergänzende Ultraschalluntersuchung vorzunehmen. Leider ist aber beim Screening-Programm nicht vorgesehen, im Ergebnisbericht Angaben zur Brustdichte zu machen. Salopp könnte man sagen, dass Radiologen nur mit der Münzwerfwahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent sagen können, ob die untersuchte Brust tumorfrei ist. Dennoch erhalten 50 Prozent der Frauen ohne Angabe der Dichte der Brust die Information "Wir haben keine auffälligen Befunde erhoben". Diese Frauen wiegen sich also in falscher Sicherheit. Zusätzlich zu dieser Unsicherheit erleidet durch Fehlbeurteilung von Mikrokalk zudem unter 1000 Frauen in zehn Jahren jede Zweite eine überflüssige Stanzbiopsie mit allen traumatischen Folgen, sowohl der psychischen Belastung durch die Mitteilung als auch durch die eines solchen operativen Eingriffs“.

Der DÄB regt daher an, bei erhöhter Brustdichte eine reguläre Ultraschalluntersuchung der Brust bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung durchführen zu lassen, da sich nicht jede Frau eine solche IGEL-Leistung leisten kann, was eine Zwei-Klassen-Medizin fördert. Ein Antrag des DÄB auf dem 117.Deutschen Ärztetag 2014 mit der Forderung, das Mammographie-Screening nach ärztlichem Standard - nämlich mit regulärer ärztlicher Untersuchung und ärztlichem Befund - durchzuführen, wurde zudem ohne Gegenstimme angenommen.