Helene Kynast: Sunshine

188 Seiten, Thienemann Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-522-17497-6

"Betrogener Lover! Verkanntes Genie!" Auf einer hoffnungsvollen Künstlerlaufbahn als Schlagzeuger ist Joshu bereits mit 19 gescheitert, und seine schöne Freundin Karola hat ihn vor die Tür gesetzt. Es ist Sommer, so erscheint dem völlig Desorientierten eine Reise in den Süden als die Gelegenheit, dem Scherbenhaufen seiner ersten Lebenserfahrungen zu entfliehen. Gleich zu Beginn der Reise per Anhalter heftet sich ihm ein bleicher Junge auf die Fersen. Mit seiner orange gefärbten Haartolle und einer Sonnenblume auf dem T-Shirt ist er nicht gerade der Typ, den sich der coole Joshu als Reisebegleitung vorgestellt hat. Wider Willen lässt er sich von dem Jüngeren, der im Gegensatz zu Joshu genau weiß, was und wohin er will, das Ziel Amsterdam aufdrängen. Für Joshu ist klar, dass sein Begleiter, der oft so geistesabwesend vor sich hin starrt, drogensüchtig ist. Aber der Buntgekleidete interessiert sich für van Gogh, aus dessen Briefen er rätselhafte Sätze zitiert. Von Amsterdam geht es auf einer abenteuerlichen Fahrt in den Süden, die Wahlheimat des holländischen Malers. Joshu läßt sich zunehmend faszinieren und gibt seinem Begleiter den Namen Sunshine. Die beiden beginnen miteinander zu reden und werden Freunde. Da endlich erzählt Sunshine, der eigentlich Vincent heißt, was ihn in Wirklichkeit aus Berlin getrieben hat, und warum ihn trotz zunehmender Schwäche das Abenteuer Reisen und das Licht des Südens verlocken. Während Sunshine dem Zugriff einer liebevoller Mutter und pflichtbewusster Ärzte entflieht und dabei die Freiheit entdeckt, sehnt sich der einsame Joshu nach menschlichem Halt und einem neuen Lebenssinn.

In einer spannenden und humorvollen Erzählung läßt uns Helene Kynast an den Frustrationen und Freuden zweier ganz unterschiedlicher junger Menschen teilhaben. Selbst die ausweglose Situation Sunshines präsentiert sich ohne jedes Pathos. In einer nüchternen und durchaus jugendnahen Sprache, die sorgsam alles Oberflächliche meidet, spiegeln sich Lebensbejahung, Optimismus und die Fähigkeit der jungen Helden, manche Verzweiflung mit Übermut und Sorglosigkeit zu meistern.

Ab 12 Jahren