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Künstliche Intelligenz in der Medizin: Geschlechtersensible Standards und ethische Leitplanken

Gemeinsame Stellungnahme der DÄB-Ausschüsse Geschlechtersensible Medizin und Ethik

Der DÄB hat eine gemeinsame Stellungnahme seiner Ausschüsse Geschlechtersensible Medizin und Ethik zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen veröffentlicht. Darin begrüßt der DÄB das große Potenzial von KI für Prävention, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation – fordert zugleich aber klare ethische und geschlechtersensible Leitplanken für ihren Einsatz.

KI-Anwendungen werden bereits heute in der Medizin routinemäßig genutzt. Richtig eingesetzt können sie insbesondere in unterversorgten Regionen zu einer gerechteren Versorgung beitragen. Voraussetzung: transparente, evidenzbasierte und diskriminierungsfreie Systeme.

Gender Bias ist ein Gesundheitsrisiko

Im Mittelpunkt der Stellungnahme steht die Kritik am Gender Bias in medizinischen KI-Systemen. Dieser entsteht u. a. durch unausgewogene Trainingsdaten, männlich dominierte Entwicklungsteams und intransparente Algorithmen. Der DÄB warnt davor, dass bestehende Ungleichheiten im Gesund-heitswesen dadurch weiter verstärkt werden könnten.

Der Gender Bias in medizinischer KI ist dabei kein technisches Randproblem, sondern eine Frage der Sicherheit von Patienten und insbesondere Patientinnen. Wenn Frauen in Datensätzen unterrepräsentiert sind oder geschlechterspezifische Unterschiede nicht berücksichtigt werden, entstehen reale Risiken für Diagnostik und Therapie. Der DÄB fordert deshalb verbindliche Standards für geschlechtersensible Datenerhebung, transparente Trainingsdaten sowie den Nachweis, dass KI-Anwendungen auch für Frauen wirksam und sicher sind. Zudem müsse die Beteiligung von Frauen in Forschung und Entwicklung gezielt gestärkt werden.

Ärztliche Verantwortung bleibt unverzichtbar

Auch ethische Fragen stehen im Fokus der Stellungnahme. Der DÄB betont die unveränderte ärztliche Letztverantwortung: KI könne unterstützen, dürfe medizinische Entscheidungen jedoch nicht autonom treffen. Patientinnen und Patienten müssten darüber informiert werden, wenn KI in Diagnose oder Therapieplanung eingesetzt werde.

KI darf die Arzt-Patienten-Beziehung nicht ersetzen, sondern sollte sie sinnvoll unterstützen. Gerade bei sensiblen medizinischen Entscheidungen braucht es Transparenz, menschliche Verantwortung und die Fähigkeit, algorithmische Empfehlungen kritisch zu hinterfragen.

Jetzt reagieren!

Die Entscheidungen, die heute über Entwicklung und Regulierung medizinischer KI getroffen werden, prägen die Gesundheitsversorgung der kommenden Jahrzehnte. Deshalb braucht Digitalisierung klare ethische Leitplanken und eine konsequent geschlechtersensible Perspektive, so der DÄB.

Daher fordert der DÄB jetzt Nachbesserungen beim europäischen Rechtsrahmen für KI. Zwar begrüße man den EU AI Act sowie die European Health Data Space (EHDS)-Verordnung, geschlechtersensible Standards würden bislang jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Darüber hinaus sollte KI-Kompetenz strukturell in die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung integriert werden. Ärztinnen und Ärzte müssten künftig in der Lage sein, algorithmische Empfehlungen kritisch zu bewerten, Bias zu erkennen und Patientinnen und Patienten kompetent aufzuklären.

Brigitte Strahwald ist Vorsitzende des DÄB-Ausschusses Geschlechtersensible Medizin. Dr. med. Gabriele du Bois ist Vorsitzende des DÄB-Ausschusses Ethik.

E-Mail: geschlechtersensiblemedizin@aerztinnenbund.de
E-Mail: gabrieledubois93@gmail.com