Ärztin 2020

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Umfrageergebnisse vorgestellt:
Kita am Krankenhaus? Fast überall in Deutschland Fehlanzeige!

Aber dort, wo es funktioniert, sind Ärztinnen und Ärzte hoch motiviert

Foto: Isabel Straka
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Foto: Isabel Straka
Deutsche Kliniken und Krankenhäuser sind nur unzureichend darauf eingerichtet, ihren Ärztinnen und Ärzten familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage des Deutschen Ärztinnenbundes e. V. zur Kinderbetreuung in den stationären Einrichtungen des gesamten Landes. Die Ergebnisse dieser Umfrage, bei der 2222 Fragebogen versandt wurden und ein an der sich letztlich ein Drittel der Befragten beteiligte, wurden am 24. April bei einer Pressekonferenz des DÄB in Berlin vorgestellt.

„Die bundesweiten Ergebnisse sind, trotz weniger guter Beispiele, ernüchternd“, so Dr. Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, vor den Medien „Es herrscht in den meisten Verwaltungen der Häuser die Meinung vor, dafür gebe es keinen Bedarf bzw. Kinderbetreuungsangebote würden sich nicht rechnen. Fazit ist jedenfalls, dass Mütter und Väter im ärztlichen Beruf mit diesem Problem allein gelassen werden. Wer keine privaten Lösungen findet oder nicht genug verdient, hat offenbar Pech gehabt.“

So lässt sich aus den Umfrageergebnissen schließen, das nur sieben Prozent der deutschen Kliniken und Krankenhäuser Kinderbetreuungseinrichtungen für ihre MitarbeiterInnen anbieten.

Eine Spezifik solcher Kinderbetreuungseinrichtungen, darauf fokussierten auch die Fragen des DÄB, liegt bei den Öffnungszeiten. Dabei sollten Früh- und Spät-, Sonn- und Feiertagsdienste von Ärztinnen und Ärzten berücksichtigt werden, damit die Kita sinnvoll ist. Auch Kinderbetreuung bei Krankheit oder nach der Schule, die Versorgung mit Mittagessen und die Hausaufgabenbetreuung sind wichtig.

„Wenn es nicht gelingt, gute Betreuungsmöglichkeiten an oder im Umfeld von Kliniken und Krankenhäusern für die Kinder von Ärztinnen und Ärzten anzubieten, müssen wir uns nicht wundern, wenn gut ausgebildete Medizinerinnen ihren Beruf an den Nagel hängen zugunsten einer Vollzeitfamilientätigkeit, in andere Berufe abwandern oder aber ins Ausland gehen, wo familienfreundlichere Bedingungen angeboten werden“, unterstrich Dr. Astrid Bühren die gesundheitspolitische Brisanz der Umfrage des DÄB.

Der Deutsche Ärztinnenbund sieht das Ziel der Umfrage nicht nur in einer Bestandsaufnahme und in dem Hinweis auf die Notwendigkeit von akzeptablen Lösungen. Mit der Recherche wurden auch Best-Practice-Beispiele aufgespürt, sollen Erfahrungen vermittelt werden. So berichtete bei der Pressekonferenz Astrid Baudis, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Halle, von der erst im März eröffneten Kita des Klinikums. „ Durch die langen, den Dienstzeiten der Eltern angepassten Öffnungszeiten unseres Betriebskindergartens können die Einrichtungen ihre Mitarbeiter in der Dienstplangestaltung flexibler einsetzen - damit "rechnet" sich ein Betriebskindergarten auf jeden Fall“, sagte die Kaufmännische Direktorin mit Blick auf die Argumente vieler ihrer Kollegen, eine solche Einrichtung sei letztlich nur teuer und bringe nichts.

In der Unfallklinik Murnau gibt es das Angebot der Kinderbetreuung schon seit fast 30 Jahren. Die „Rechnerische Darstellung der Kosten-Nutzen-Gegenüberstellung“, angeregt von Dr. Astrid Bühren und vom UKM angefertigt, zeigt eindeutig den auch finanziellen Vorteil einer derartiger Einrichtungen für die Klinik.

Wie der Burda-Verlag, auch ein Unternehmen mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten, das „Problem des Babybooms“ seiner Mitarbeiter löste, berichtete Bettina Bäumlisberger. Die Focus-Journalistin aus München ist Mitinitiatorin der verlagsgebundenen Kita und weiß, dass MitarbeiterInnen, die ihre Kinder gut betreut wissen, im Beruf hoch motiviert sind.

DÄB-Präsidentin Dr. Astrid Bühren hob hervor, dass die Umfrageergebnisse nachdrücklich als berufspolitisches Instrumentarium vom Deutschen Ärztinnenbundes genutzt werden. „Junge Frauen drängen in das Medizinstudium, starten begeistert in den Beruf – und haben dann, in Klinik oder Praxis angekommen, oft keine Chance, Beruf und Familie sinnvoll zu vereinbaren. Viele steigen in andere Tätigkeiten um oder auch ganz aus. Oder sie gehen ins Ausland, wo für viele Kliniken die Kinderbetreuung eine Selbstverständlichkeit ist. Das können wir aus vielerlei Gründen nicht hinnehmen: In Deutschland fehlen vielerorts die gut ausgebildete ÄrztInnen, und noch mehr fehlen uns Kinder! Wir legen den Finger auf die Wunde und fordern deshalb ein verstärktes Engagement der Kliniken und Krankenhäuser auf diesem Gebiet. Auch für niedergelassenen ÄrztInnen müssen mehr Möglichkeiten geschaffen werden, Familie und Hinwendung zu den Patientinnen und Patienten unter einen Hut zu bringen. Hier haben wir ebenfalls mit einer Bestandsaufnahme begonnen. Es wird also in nächster Zeit weiteres zu berichten geben.“

Weitere Informationen, Detailergebnisse aus den Bundesländern und andere Auswertungsergebnisse sowie Kontakte zu den Studienleiterinnen und zu den Teilnehmerinnen der Pressekonferenz:

Annegret Hofmann
Pressesprecherin
Deutscher Ärztinnenbund e. V.
Mobil: 0170 546 19 12
Mail: annegret.hofmann@mediencity.de