Kieferorthopädie ist mehr als kosmetische Zahnkorrektur
Kieferorthopädie ist integraler Bestandteil der funktionellen und systematischen Medizin
In diesem Artikel möchte ich einige Bereiche der Kieferorthopädie vorstellen, um zu zeigen, dass sich der Blick auf die Möglichkeiten der modernen Kieferorthopädie auch für Hausärztinnen lohnt.
Zähne stehen nicht einfach so im Kiefer. Das stomatognathe System ist über Muskelketten, Faszienverbindungen und neurophysiologische Reflexe unmittelbar mit dem gesamten Stützsystem verbunden. Kieferfehlstellungen und Haltungsschäden stehen in einer engen Wechselbeziehung. Liegt eine kraniofaziale Asymmetrie, also z. B. ein Kreuzbiss, ein Distalbiss oder eine Mesialbisslage vor, führt dies zu einer Tonuserhöhung der Kaumuskulatur. Darauf reagiert dann die subokzipitale Nackenmuskulatur mit einer Gegenreaktion, also chronisch rezidivierenden Nacken- und Schulterverspannungen, veränderter Kopfhaltung, selten auch mit Ohrgeräuschen. Hält die Fehlbelastung länger an, führt dies zu frühzeitigem Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke, zu Bandscheibenproblemen bis hin zu Wirbelsäulenverkrümmung.
Die Kiefer- und Zahnstellungskorrektur allein wird eine strukturelle Wirbelsäulenfehlstellung nicht heilen, kann aber nachweislich pathologischen myofaszialen Stress aus der funktionellen Kette nehmen und so zur Heilung beitragen. Nach entsprechender Verminderung der akuten Beschwerden sollte eine kausale kieferorthopädische Therapie zur Einstellung des korrekten Bisses folgen.
Etwa 16-20 % der Kinder in Deutschland schnarchen, etwa 3 % leiden unter einer obstruktiven Schlafapnoe. Das hat negative Folgen für die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitsspanne der Kinder. Leider ist das Schnarchen bei Kindern oft deutlich leiser und wird nicht ernst genommen, so dass eine OSA meist erst spät erkannt wird. Verhaltensauffälligkeiten wie Nachtschweiß, morgendlicher Kopfschmerz, morgendliche Muffeligkeit sind weitere mögliche Symptome. Ursachen sind häufig ein zu schmaler Gaumen mit Kreuzbiss oder eine Rücklage/Retrognathie des Unterkiefers. Diese sind kieferorthopädisch zu korrigieren und so die Atemwege zu öffnen.
Eine gut funktionierende Nasenatmung und ein ausreichend großer nasopharyngealer Luftraum sind wesentliche Voraussetzungen für die korrekte Entwicklung des kraniofaszialen Systems. Mundatmung führt durch Austrocknung der Mundhöhle und dadurch reduzierter remineralisierender Wirkung des Speichels zu vermehrter Karies und Gingivitis, zu erhöhter Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen, zu weiter zunehmender Unterentwicklung des Oberkiefers in der Transversalen und damit zur Verkleinerung des Nasenraumes und zum Einatmen ungefilterter kalter Luft in die Bronchien. Eine frühzeitig eingeleitete funktionskieferorthopädische Therapie wird sich positiv auf die Erweiterung des orofazialen Luftraumes auswirken und verringert damit die Gefahr der Entstehung einer OSA bei jungen Patienten.
Sprach- und Phonetikfehler sind mit bestimmten Zahn- und Kieferfehlstellungen assoziiert. Eine kieferorthopädische Behandlung soll den Zungenraum öffnen und dadurch die notwendigen räumlichen Voraussetzungen schaffen, die die Logopädin oder der Logopäde braucht, um eine korrekte Artikulation und Phonetik zu erreichen. Kinder mit Lippenkiefergaumenspalte oder auffallend schiefen Zähnen bzw. schiefen Kiefern werden wegen ihres orofazialen Erscheinungsbildes oft gehänselt. Negative Auswirkungen auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen, der eigenen emotionalen Entwicklung und das Selbstwertgefühl sind die Folgen. Kieferorthopädie trägt hier zu einer Steigerung der Lebensqualität bei und stellt die Kaufunktion her.
Orale Dysfunktionen und Habits wie z. B. Daumenlutschen oder Zungenpressen sind wichtige Faktoren für die Entstehung von Malokklusionen und Dysgnathien. Hier kann die Kieferorthopädie sowohl mit nichtapparativen Verfahren als auch mit Zahnklammern präventiv helfen und somit der Entstehung pathologischer, morphologischer und funktioneller Veränderungen entgegenwirken.
Schmutznischen liegen z. B. an ausgeprägten Engständen oder Kippungen von Zähnen vor, hier können sich durch vermehrte Plaqueanlagerung Karies, Gingivitis, parodontale Taschen, gingivale Rezessionen und Ähnliches bilden. Durch Reduktion von Schmutznischen wird die Zahngesundheit signifikant verbessert. Patientinnen und Patienten mit Parodontitis haben häufiger Herz-Kreislauferkrankungen als solche mit guter Zahngesundheit.
Patientinnen und Patienten mit schiefen Zähnen schlucken Speisebrei mit signifikant größeren Partikeln – mit allen damit zusammenhängenden gastrointestinalen Folgesymptomen. Eine kieferorthopädische Korrektur erhöht die Kauleistung, hat positive Effekte auf die Kinematik des Kauvorgangs und führt zu normaler Partikelgröße im geschluckten Speisebrei.
Patientinnen und Patienten mit nach vorne stehenden Schneidezähnen und/oder zurückliegendem Unterkiefer tragen ein hohes Frontzahntraumarisiko. Eine kieferorthopädische Behandlung wird die Inzidenz eines Frontzahntraumas erheblich reduzieren.
Ich hoffe, dieser Einblick hat Ihr Interesse an der modernen Kieferorthopädie geweckt.
Kontakt: www.dr-fleddermann.de
Zähne stehen nicht einfach so im Kiefer. Das stomatognathe System ist über Muskelketten, Faszienverbindungen und neurophysiologische Reflexe unmittelbar mit dem gesamten Stützsystem verbunden. Kieferfehlstellungen und Haltungsschäden stehen in einer engen Wechselbeziehung. Liegt eine kraniofaziale Asymmetrie, also z. B. ein Kreuzbiss, ein Distalbiss oder eine Mesialbisslage vor, führt dies zu einer Tonuserhöhung der Kaumuskulatur. Darauf reagiert dann die subokzipitale Nackenmuskulatur mit einer Gegenreaktion, also chronisch rezidivierenden Nacken- und Schulterverspannungen, veränderter Kopfhaltung, selten auch mit Ohrgeräuschen. Hält die Fehlbelastung länger an, führt dies zu frühzeitigem Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke, zu Bandscheibenproblemen bis hin zu Wirbelsäulenverkrümmung.
Die Kiefer- und Zahnstellungskorrektur allein wird eine strukturelle Wirbelsäulenfehlstellung nicht heilen, kann aber nachweislich pathologischen myofaszialen Stress aus der funktionellen Kette nehmen und so zur Heilung beitragen. Nach entsprechender Verminderung der akuten Beschwerden sollte eine kausale kieferorthopädische Therapie zur Einstellung des korrekten Bisses folgen.
Interdisziplinär bei Schlafapnoe
Bei der Diagnostik und Therapie des obstruktiven Schlafapnoe Syndroms (OSAS) arbeiten Allgemeinmedizin, Schlafmedizin und Kieferorthopädie eng zusammen. Eine Unterkieferprotrusionsschiene verlagert den Zungengrund nach ventral und hält die oberen Atemwege dadurch mechanisch offen. Allerdings belastet die Schiene das Kiefergelenk, weshalb eine fortlaufende Kontrolle der Okklusion durch die Kieferorthopädin oder schlafmedizinisch geschulte Zahnärztin notwendig ist.Etwa 16-20 % der Kinder in Deutschland schnarchen, etwa 3 % leiden unter einer obstruktiven Schlafapnoe. Das hat negative Folgen für die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeitsspanne der Kinder. Leider ist das Schnarchen bei Kindern oft deutlich leiser und wird nicht ernst genommen, so dass eine OSA meist erst spät erkannt wird. Verhaltensauffälligkeiten wie Nachtschweiß, morgendlicher Kopfschmerz, morgendliche Muffeligkeit sind weitere mögliche Symptome. Ursachen sind häufig ein zu schmaler Gaumen mit Kreuzbiss oder eine Rücklage/Retrognathie des Unterkiefers. Diese sind kieferorthopädisch zu korrigieren und so die Atemwege zu öffnen.
Eine gut funktionierende Nasenatmung und ein ausreichend großer nasopharyngealer Luftraum sind wesentliche Voraussetzungen für die korrekte Entwicklung des kraniofaszialen Systems. Mundatmung führt durch Austrocknung der Mundhöhle und dadurch reduzierter remineralisierender Wirkung des Speichels zu vermehrter Karies und Gingivitis, zu erhöhter Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen, zu weiter zunehmender Unterentwicklung des Oberkiefers in der Transversalen und damit zur Verkleinerung des Nasenraumes und zum Einatmen ungefilterter kalter Luft in die Bronchien. Eine frühzeitig eingeleitete funktionskieferorthopädische Therapie wird sich positiv auf die Erweiterung des orofazialen Luftraumes auswirken und verringert damit die Gefahr der Entstehung einer OSA bei jungen Patienten.
Sprach- und Phonetikfehler sind mit bestimmten Zahn- und Kieferfehlstellungen assoziiert. Eine kieferorthopädische Behandlung soll den Zungenraum öffnen und dadurch die notwendigen räumlichen Voraussetzungen schaffen, die die Logopädin oder der Logopäde braucht, um eine korrekte Artikulation und Phonetik zu erreichen. Kinder mit Lippenkiefergaumenspalte oder auffallend schiefen Zähnen bzw. schiefen Kiefern werden wegen ihres orofazialen Erscheinungsbildes oft gehänselt. Negative Auswirkungen auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen, der eigenen emotionalen Entwicklung und das Selbstwertgefühl sind die Folgen. Kieferorthopädie trägt hier zu einer Steigerung der Lebensqualität bei und stellt die Kaufunktion her.
Orale Dysfunktionen und Habits wie z. B. Daumenlutschen oder Zungenpressen sind wichtige Faktoren für die Entstehung von Malokklusionen und Dysgnathien. Hier kann die Kieferorthopädie sowohl mit nichtapparativen Verfahren als auch mit Zahnklammern präventiv helfen und somit der Entstehung pathologischer, morphologischer und funktioneller Veränderungen entgegenwirken.
Kieferorthopädie beim Erwachsenen
Beim Erwachsenen trägt die Kieferorthopädie zur Verbesserung der Ausgangssituation für eine prothetische Versorgung bei. Die Anfertigung des Zahnersatzes wird erleichtert, oft erst ermöglicht, es werden wesentliche funktionelle und parodontale Verbesserungen erreicht, z. B. durch das Aufrichten von gekippten Zähnen. Strategische Pfeilerverteilung, Elongation oder Intrusion von Zähnen, auch kieferorthopädischer Lückenschluss sind oft möglich. Geradestehende Zähne sind leichter zu reinigen.Schmutznischen liegen z. B. an ausgeprägten Engständen oder Kippungen von Zähnen vor, hier können sich durch vermehrte Plaqueanlagerung Karies, Gingivitis, parodontale Taschen, gingivale Rezessionen und Ähnliches bilden. Durch Reduktion von Schmutznischen wird die Zahngesundheit signifikant verbessert. Patientinnen und Patienten mit Parodontitis haben häufiger Herz-Kreislauferkrankungen als solche mit guter Zahngesundheit.
Patientinnen und Patienten mit schiefen Zähnen schlucken Speisebrei mit signifikant größeren Partikeln – mit allen damit zusammenhängenden gastrointestinalen Folgesymptomen. Eine kieferorthopädische Korrektur erhöht die Kauleistung, hat positive Effekte auf die Kinematik des Kauvorgangs und führt zu normaler Partikelgröße im geschluckten Speisebrei.
Patientinnen und Patienten mit nach vorne stehenden Schneidezähnen und/oder zurückliegendem Unterkiefer tragen ein hohes Frontzahntraumarisiko. Eine kieferorthopädische Behandlung wird die Inzidenz eines Frontzahntraumas erheblich reduzieren.
Ich hoffe, dieser Einblick hat Ihr Interesse an der modernen Kieferorthopädie geweckt.
Kontakt: www.dr-fleddermann.de

