Lebendige Erinnerungskultur: Stolperstein für Prof. Dr. Lydia Rabinowitsch-Kempner (1871-1935)

Stolperstein für Lydia Rabinowitsch-Kempner in Berlin-Lichterfelde
Foto: © Graffmann-Weschke
Vor rund 35 Jahren war die erste Professorin Berlins und zweite Deutschlands kaum bekannt. Sie war im Großen Brockhaus-Lexikons zu finden. Damals entstanden zwei medizinhistorische Dissertationen über ihr Leben und Werk, die ihre Bedeutung in der Tuberkuloseforschung, auch als erste weibliche Mitarbeiterin von Robert Koch, darstellen.

Bei der weiteren Suche stieß man auf einige kleine Artikel u. a. in Amerika und ein Schild am ehemaligen städtischen Krankenhauses Moabit, wo Lydia Rabinowitsch seit 1920 die Bakteriologische Abteilung leitete. Ihre vielen Rollen, die sie um die Jahrhundertwende mit ihrem Ideenreichtum, ihrem wissenschaftlichen Wirken in der Tuberkuloseforschung und im Kampf um tuberkulosefreie Milch sowie in der Frauenbewegung einnahm, wurden mit der Recherche zu ihrem Leben immer deutlicher. So wurde sie 1924 bei der Gründung des Bundes Deutscher Ärztinnen, da keine Ärztin, immerhin Ehrenmitglied. Und es ergaben sich immer wieder Gelegenheiten, wie bereits mehrfach in der Zeitschrift ärztin, über sie und ihre Bedeutung als Wissenschaftlerin, Bakteriologin und Mutter von drei Kindern zu berichten.

Inzwischen gab es viele Anlässe und Gelegenheiten, um an sie zu erinnern. Sie findet sich z. B. in der Kollektivbiographie zu Ärztinnen im Kaiserreich. Zu ihrem 150. Geburtstag erschienen diverse Artikel und ihre überarbeitet Biografie, ein Jahr später nachmals als Jüdische Miniatur. Das Museum im Robert Koch-Institut gedenkt ihrer in unterschiedlichsten Formaten. Die Charité vergibt eine Förderung für promovierende und habilitierende Frauen und es wurde eine Straße in Berlin nach ihr benannt.

Und so ist der am 8. März, dem Tag der Frau, durch den Künstler Gunter Demnig persönlich vor der Potsdamerstr. 58a in Berlin-Lichterfelde verlegte Stolperstein, hoffentlich auch nur ein Meilenstein in einer lebendig bleibenden Kultur zur Erinnerung an eine außergewöhnliche Persönlichkeit ihrer Zeit.

Literaturhinweis:

  • Graffmann-Weschke K (2021): „So wollen denn auch wir in diesem Sinne handeln“. Die Bakteriologin Lydia Rabinowitsch-Kempner (1871-1935). Verlag Hentrich & Hentrich. Berlin, Leipzig 2021.
Dr. Katharina Graffmann-Weschke
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