Der DÄB beim Festakt am 12. November 2018 zu 100 Jahre Frauenwahlrecht im Deutschen Historischen Museum

Statements des Deutschen Ärztinnenbundes

Dr. med. Christiane Groß, M.A., Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. (DÄB): „Die Zukunft der Medizin ist weiblich, aber längst noch nicht gleichberechtigt in dem Sinne wie die Mütter des Grundgesetzes es erstritten haben. Auch in der Ärzteschaft gibt es ungleiche Bezahlung und viele Ärztinnen arbeiten unter Arbeitsbedingungen, die fernab von jeder Familienfreundlichkeit sind. In Kliniken fehlt es an Betriebskindergärten. Bei den ärztlichen Selbstverwaltungsgremien dominieren weiter die Männer- weil die Spitzenposten auf lange Zeit männlich besetzt sind, aber auch weil Frauen zögerlicher sind. Bei den Führungskräften im gesamten Gesundheitswesen sind zu wenig Ärztinnen vertreten, bei den Chefarztpositionen machen Chefärztinnen gerade mal zehn Prozent aus. Dem Deutschen Ärztinnenbund ist es in den über 90 Jahren seines Bestehens gelungen, auf Rechte und Diskriminierung von Frauen in der Medizin aufmerksam zu machen, auch Veränderungen anzustoßen, aber dennoch bleibt noch viel zu tun."

Ereignis
Prof. Dr. med. Gabriele Kaczmarczyk, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e.V.: „90 Prozent Männer an der Medizin-Spitze und das seit Jahrzehnten: das geht nicht mehr! Als das Frauenwahlrecht erkämpft worden war, konnten Frauen dank ihres Kampfes schon seit ein paar Jahren Medizin an deutschen Universitäten studieren und brauchten dafür ihr Heimatland nicht zu verlassen. Heute ist das bei über 60% Medizin-Studentinnen kein Thema mehr. Aber wo sind 2018 die Frauen in medizinischen Führungspositionen? In Universitäten, Krankenhäusern, Selbstverwaltungsgremien, Ärztekammern und Vorständen von Krankenkassen fehlen sie. Dort wird jedoch entschieden, wie und worüber gelehrt, geforscht, wie behandelt und wo gespart werden sollte! Dieses Dilemma ist der Öffentlichkeit kaum bewusst. Es heißt also: weiter kämpfen für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch eine Parität der Führungspositionen im Gesundheitswesen."