Klinikalltag mit Rückhalt: Das Deeskalationstraining der DRK Kliniken Berlin

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Nicht nur Bewegungsabläufe, sondern Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit vermitteln.

Es sieht fast martialisch aus, wenn Danièl Lautenschlag, Experte für körperliche Deeskalation, zeigt, welche Handgriffe helfen können, sich aus einer Umklammerung zu befreien. Seit September 2024 trainert er gut 200 Auszubildende und Mitarbeitende der DRK Kliniken Berlin monatlich für drei Stunden – als Teil der Arbeitszeit und verbindlich im Dienstplan hinterlegt.

Häufiger als man denkt, kommt es im Krankenhaus zu Gewalt – durch empör­te Angehörige, Menschen mit akuten Psychosen, intoxikierte Personen und Menschen, die z. B. aufgrund von Demenz nicht verstehen, was mit ihnen passiert. Klammern, Festhalten, Kneifen, Spucken und Schlagen gehören neben verbalen Angriffen zum Alltag in vielen Krankenhäusern. Die DRK Kliniken Berlin haben deswegen vor ca. 5 Jahren ein Deeskalationsmanagement im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements aufgebaut. Ein Notfall-Button wurde auf jedem Desktop installiert. Ein Deeskalationsmanager bietet Seminare, Team-Schulungen und individuelle Beratungen zu verbaler Deeskalation. Das Programm wurde inzwischen fest verankert. Aber es gab den Bedarf nach Schulungen für Situationen, die sich nicht mehr verbal lösen lassen.

Deeskalationsmanagement: Sicherheit durch Selbstwirksamkeit
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Ein Punkt, den Dr. Elke Rahausen, Fachärztin aus der Klinik für Innere Medizin – Pneumologie und Schlafmedizin der DRK Kliniken Berlin Mitte, bestätigen kann. Sie kam im Rahmen des verbalen Deeskalationsmanagements mit Danièl Lautenschlag in Kontakt: „Die Griffe, die er dort gezeigt hat, haben mir sofort Sicherheit gegeben. Deswegen habe ich mich entschieden, an dem Training teilzunehmen. Ich bin nicht der Typ ‚Kämpferin‘, aber die letzten Monate haben etwas mit mir gemacht. Viele Angehörige und Patienten sind in solchen emotionalen Ausnahmezuständen, dass es wichtig ist, selbst eine große Ruhe auszustrahlen. Ich weiß jetzt, was ich im Zweifel machen kann, um mich zu befreien und Hilfe zu holen – ohne mein Gegenüber zu verletzen. Das gibt Sicherheit, die man auch ausstrahlt.“

Eine Einschätzung, die viele teilen, so belegen Umfragen, die begleitend in den letzten Monaten durchgeführt wurden. Der Anteil derjenigen, die sich in einer bedrohlichen Situation als kompetent wahrnehmen, stieg im Verlauf des Trainings von 27 auf 92 %. In Bezug auf körperlich bedrohliche Situationen gab niemand mehr an, sich nicht handlungssicher zu fühlen. Vorher lag dieser Wert bei 58 %. Aufgrund dieser Ergebnisse haben sich die DRK Kliniken Berlin schon sechs Monate vor Ablauf des Projektes für eine Fortsetzung entschieden.

Grit Hübschmann, Oberärztin in der Zentralen Notaufnahme der DRK Kliniken Berlin Köpenick, begrüßt diesen Schritt ausdrücklich: „Inzwischen gab es Situ­ationen, bei denen Pflegekräfte in der Rettungsstelle das Gelernte anwenden konnten. Es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert. Gleichzeitig brauchen wir die kontinuierliche Übung, damit wir nicht erst nachdenken, sondern automatisiert reagieren. Deswegen sind wir auch alle im nächsten Kurs dabei.“

Rückmeldungen zeigen, dass sich Mitarbeitende durch das Angebot in ihrem täglichen Einsatz ernst genommen, gesehen und unterstützt fühlen. Oberin Doreen Fuhr, Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft Berlin e. V., des alleinigen Gesellschafters: „Unsere Deeskalationstrainings sind weit mehr als Maßnahmen zur Sicherheit. Sie sind ein Ausdruck von Wertschätzung. Denn wer anderen täglich Halt gibt, sollte selbst nie den Boden unter den Füßen verlieren.“

Corinna Schwetasch ist Leiterin Unternehmenskommunikation und Pressesprecherin der DRK Kliniken Berlin.

E-Mail: c.schwetasch@drk-kliniken-berlin.de