Systemversagen: DÄB fordert konsequentes Vorgehen gegen Machtmissbrauch
Reaktion des Deutschen Ärztinnenbundes auf die Marburger-Bund-Umfrage zu Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im ärztlichen Arbeitsumfeld
Die Ergebnisse der aktuellen Befragung des Marburger Bundes "Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im ärztlichen Arbeitsumfeld” sind aus Sicht des Deutschen Ärztinnenbundes e. V. (DÄB) ein unüberhörbarer Weckruf: Grenzverletzungen und Übergriffe sind im Klinikalltag weit verbreitet – und sie sind strukturell bedingt.
9.073 angestellte Ärztinnen und Ärzten nahmen an der aktuellen bundesweiten Befragung des Marburger Bundes teil (90 Prozent aus Krankenhäusern). 69 Prozent sind weiblich, 53 Prozent maximal 40 Jahre alt. Nahezu jede/jeder zweite Befragte (49 Prozent) berichtet von erlebtem Machtmissbrauch, 13 Prozent von sexueller Belästigung im vergangenen Jahr – beides mehrheitlich ausgehend von ärztlichen Vorgesetzten. Besonders alarmierend: Die meisten Vorfälle werden nicht gemeldet, u. a. aus Angst vor Konsequenzen und aus mangelndem Vertrauen in bestehende Strukturen.
Jana Pannenbäcker, zweite Co-Präsidentin des DÄB, drängt auf einen Kulturwandel: „Sexuelle Belästigung und Grenzverletzungen werden noch immer verharmlost oder tabuisiert. Für viele Betroffene bedeutet das: Schweigen und Aushalten, statt Schutz und Verständnis. Das ist ein unhaltbarer Zustand – gerade in einem Beruf, der auf Vertrauen und Verantwortung basiert.“
Die Folgen zeigen sich nicht nur auf individueller Ebene: Ein von Angst und Unsicherheit geprägtes Arbeitsumfeld verringert die Attraktivität des ärztlichen Berufs – insbesondere für Frauen –, verschärft den Fachkräftemangel und kann so die Qualität der Versorgung gefährden.
„Die Politik darf sich nicht länger auf freiwillige Selbstverpflichtungen verlassen“, so Puhahn-Schmeiser und Pannenbäcker „Was wir brauchen, sind verbindliche Strukturen, die Betroffene schützen – und nicht diejenigen, die ihre Macht missbrauchen.“
Strukturelle Ursachen statt individueller Verfehlungen: Das System begünstigt Machtmissbrauch
„Diese Zahlen erschüttern uns, aber sie überraschen uns nicht. Machtmissbrauch im Gesundheitswesen, ist kein Einzelfall – und auch kein Fehlverhalten Einzelner. Es ist das System, das Machtmissbrauch ermöglicht und Betroffene alleinlässt“, erklärt Prof. Dr. Barbara Puhahn-Schmeiser, Co-Präsidentin des DÄB. „Solange Abhängigkeiten in der medizinischen Weiterbildung, starre Hierarchien und intransparente Beschwerdewege bestehen, wird sich daran nichts ändern.“Jana Pannenbäcker, zweite Co-Präsidentin des DÄB, drängt auf einen Kulturwandel: „Sexuelle Belästigung und Grenzverletzungen werden noch immer verharmlost oder tabuisiert. Für viele Betroffene bedeutet das: Schweigen und Aushalten, statt Schutz und Verständnis. Das ist ein unhaltbarer Zustand – gerade in einem Beruf, der auf Vertrauen und Verantwortung basiert.“
Wenn Vertrauen fehlt, leidet auch die Patientinnen- und Patientensicherheit
Unterstrichen wird diese Einschätzung durch diverse Artikel der Ausgabe 2/2025 der DÄB-Verbandszeitschrift „ärztin“, die sich mit dem gleichen Schwerpunktthema beschäftigte: Grenzverletzungen entstehen nicht zufällig, sondern in einem Umfeld ausgeprägter Machtgefälle und tradierter Strukturen. Ärztinnen sind überproportional häufig betroffen – nicht zuletzt aufgrund geschlechtsspezifischer Hierarchien und Rollenbilder im Gesundheitswesen.Die Folgen zeigen sich nicht nur auf individueller Ebene: Ein von Angst und Unsicherheit geprägtes Arbeitsumfeld verringert die Attraktivität des ärztlichen Berufs – insbesondere für Frauen –, verschärft den Fachkräftemangel und kann so die Qualität der Versorgung gefährden.
Politik muss verbindliche Regeln schaffen
Der vom DÄB geforderte Kulturwandel muss durch gesetzliche Maßnahmen flankiert werden, z. B. durch eine gesetzlich verpflichtende Verankerung unabhängiger Beschwerdestellen sowie bundesweit einheitliche Schutz- und Präventionsstandards gegen Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung in medizinischen Einrichtungen. Einrichtungen, die ihrer Fürsorgepflicht in diesem Sinne nicht nachkommen, müssen konsequent zur Verantwortung gezogen werden.„Die Politik darf sich nicht länger auf freiwillige Selbstverpflichtungen verlassen“, so Puhahn-Schmeiser und Pannenbäcker „Was wir brauchen, sind verbindliche Strukturen, die Betroffene schützen – und nicht diejenigen, die ihre Macht missbrauchen.“
WEITERE INFOS
Links zur Befragung des Marburger Bundes „Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung im ärztlichen Arbeitsumfeld“:- Pressemitteilung des Marburger Bundes vom 14. April 2026:
https://www.marburger-bund.de/bundesverband/pressemitteilung/machtmissbrauch-und-sexuelle-belaestigung - Zusammenfassung der Ergebnisse:
https://www.marburger-bund.de/sites/default/files/files/2026-04/MB-Umfrage%202026_Zusammenfassung_Ergebnisse.pdf
