Zusammenarbeit über föderale Grenzen hinaus

Deutschland gut vertreten – vor allem im DÄB-Orange
Foto: © D. Werner

Große Delegation des Deutschen Ärztinnenbundes beim 33. Internationalen Kongress der Medical Women’s International Association (MWIA)

Vom 12. bis 14. Oktober 2025 fand in Kairo, Ägypten, der 33. Internationale Kongress der Medi­cal Women’s International Association (MWIA) statt. Rund 500 Ärztinnen und Medizinstudentinnen aus über 70 Ländern und allen sechs Kon-tinenten kamen unter dem Motto „One Humanity – Health Solutions Through Our Partnerships“ zusammen, um sich über aktuelle Fragen der Frauengesundheit, globale Gesundheitsstrategien und die Rolle von Ärztinnen im internationalen Kontext auszutauschen.

Die MWIA – älteste internationale Ärztinnenorganisation

Schon bevor Ärzte an die Gründung einer eigenen Organisation dachten, gründeten 1919 in New York Ärztinnen unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs die MWIA. Heute ist die MWIA die älteste internationale Ärzteorganisation. Sie repräsentiert über 12.000 Ärztinnen und Medizinstudierende aus mehr als 70 Ländern und ist non-sectarian sowie non-profit-making. Als global vernetzter Verband ist sie in acht Regionen auf sechs Kontinenten organisiert und genießt den NGO-Status, registriert mit Sitz in Genf.

Deutsche Delegation stark vertreten

Mit 20 Delegierten stellte Deutschland die fünftgrößte Teilnehmerinnengruppe des Kongresses. Unter den Vertrete-rin­nen war auch Dr. Cornelia Tauber-Bachmann, die zur Vice-President für die Region Central Europe gewählt wurde.

Geschichte mit Verantwortung

Ein besonderer Moment des Kongresses: die Präsentation des Posters von Dr. Renate Böhm, das die helfende Rolle der MWIA während des Nationalsozialismus beleuchtete. Viele Ärztinnen mussten Deutschland verlassen und suchten im Ausland neue Wirkungsfelder: Sie wurden durch das MWIA-Netzwerk im Ausland unterstützt. Dr. Böhms Beitrag erinnerte eindrücklich daran, wie wichtig historische Aufarbeitung für ein verantwortungsbewusstes, gemeinsames Handeln in der Gegenwart ist.

Inhalte und Schwerpunkte des Kongresses

Das wissenschaftliche Programm des MWIA-Kongresses bot eine große Bandbreite aktueller Themen. Neben klassi­schen Fragen der Frauengesundheit wurden insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels auf Gesundheitssysteme, die zunehmende Beteiligung von Frauen in medizinischer Führungsverantwortung sowie digitale Gesundheit intensiv diskutiert.

Einen wichtigen Schwerpunkt bildete der Vortrag von Dr. Marianne Schwarte, Mitglied der Senior MWIA, zu den „Living and Working Conditions of Senior Medical Women“. Dr. Schwarte hielt den Vortrag in Vertretung für die erkrankte Dr. Bettina von Gizycki-Nienhaus, die Gründerin der Senior MWIA.

In abwechslungsreichen Plenar- und Parallel-Sessions tauschten sich die interessierten Teilnehmerinnen über konkrete Lösungen aus, wie Partnerschaften über Länder- und Föderationsgrenzen hinweg nachhaltige Verbesserun­gen im Gesundheitswesen schaffen können.

Demokratie und Mitbestimmung

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Kongresses war die Abstimmung über Resolutionen, die die strategische Ausrichtung der MWIA für die kommenden Jahre bestimmen. Diese Resolutionen betreffen u. a. den Ausbau internationaler Netzwerke, die Förderung junger Ärztinnen sowie Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit in der Medizin.

Globale Netzwerke als Schlüssel


Die Atmosphäre in Kairo war von gegenseitiger Unterstützung geprägt und dem Bewusstsein, dass globale Gesundheitsherausforderungen nur gemeinsam bewältigt werden können. Der Austausch zwischen Ärztinnen aus unterschiedlichen kulturellen, politischen und fachlichen Kontexten machte mehr als deutlich: „One Humanity – Health Solutions Through Our Partnerships“ ist nicht nur ein Leitgedanke, sondern gelebte Realität.

Fazit

Der 33. MWIA-Kongress in Kairo machte deutlich, dass die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, sozialem Engagement und internationaler Solidarität die Stärke dieses Netzwerkes ausmacht.

Dr. Evgenia Scheffner

Hohe Ehrungen für DÄB-Mitglieder

Dr. Sigrun Muthmann-Hellwig, Member of Honour der MWIA, Dr. Eleanor Nwadinobi, Immediate Past President, und Dr. Amany Asfour, MWIA-President
Foto: © D. Werner
Während der General Assembly wurden zahlreiche DÄB-Mitglieder geehrt. Drei Kolleginnen wurden für ihr Engagement zu Members of Honour ernannt. Die langjährige Vice-President für Central Europe, Dr. Gertrud Zickgraf, Dr. Marie-Louise Fasshauer sowie Dr. Sigrun Muthmann-Hellwig waren nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in viele Länder Osteuropas gereist und haben für die Gründung nationaler und internationaler Ärztinnenverbände geworben.

Dr. Sigrun Muthmann-Hellwig nahm ihre Urkunde während ihres 18. (!) Besuchs eines internationalen MWIA-Kongresses persönlich entgegen. 14 DÄB-Mitglieder wurden für ihre mehr als 50-jährige Mitgliedschaft als Golden Jubilee Members ausgezeichnet.

Seit Jahrzehnten aktiv für die MWIA: Dr. Gertrud Zickgraf, Member of Honour, hier eine Erinnerung aus den 80er-Jahren
Foto: © D. Werner
Alle Urkunden nahm die scheidende NC, Dr. Renate Böhm, entgegen, die selbst für ihr Engagement bei der Etablierung der 2022 von Dr. Bettina von Gizycki-Nienhaus gegründeten Senior MWIA ausgezeichnet wurde.

Dr. Amany Asfour (Ägypten) neue MWIA-Präsidentin

Nach drei Jahren als President-elect der MWIA hat Dr. Amany Asfour, Kinderärztin aus Ägypten, das Amt der Präsidentin der MWIA für das Triennium 2025–2028 von Dr. Eleanor Nwadinobi übernommen, die der MWIA weiter als Immediate Past President dient. Der DÄB bedankt sich bei Eleanor Nwadinobi ausdrücklich für die freundschaftliche und warme Unterstützung während ihrer Amtsperiode. Zur President-elect wurde Dr. Mandakini Megh, Gynäkologin aus Mumbai, gewählt. Sie wird 2028 das Amt der Präsidentin turnusgemäß übernehmen.

Dr. Renate Böhm

Dr. Cornelia Tauber-Bachmann (Deutschland), Vice-President für Central Europe

Mit der Wahl von Dr. Cornelia Tauber-Bachmann zur Vice- President Central Europe hat der DÄB wieder eine starke Stimme im ExCo der MWIA.

Statement von Frau Dr. Tauber-Bachmann 

Dr. Cornelia Tauber-Bachmann, neue Vice-President for Central Europe
Foto: privat
Über die Wahl zur Vizepräsidentin Central Europe der MWIA, des Internationalen Ärztinnenbundes für das Triennium 2025–2028, habe ich mich sehr gefreut. Seit über 20 Jahren bin ich regelmäßige Teilnehmerin der internationalen Kongresse. Und daher habe ich mich besonders über die Ehrung von Dr. Sigrun Muthmann-Hellwig und Dr. Marie-Louise Fasshauer gefreut – zwei langjährige Weg- und Reisegefährtinnen von mir. Ebenso sehr freue ich mich über die Ernennung von Dr. Gertrud Zickgraf zum Member of Honour der MWIA.

Das Amt habe ich zum Ende des Kongresses angetreten. Meine Vorgängerin, die österreichische Kollegin Dr. Edith Schratzberger-Vecsei, hat mich in mehreren Gesprächen dar­auf vorbereitet. Herzlichen Dank an sie und ihr Engagement! Leider konnte sie beim Kongress nicht dabei sein.

Es gab gleich nach dem Kongress ein Meeting des neuenExCo (des Executive Committee), bei dem Absprachen getroffen und Pläne gemacht wurden. Für meinen Aufgabenbereich Central Europe habe ich einige Ideen:
  • Kontakt halten und intensivieren zu den Kolleginnen in den benachbarten Ländern Österreich und Schweiz,
  • Kontakt halten bzw. herstellen mit den Kolleginnen in unseren östlichen Nachbarländern, beginnend mit unseremNachbarn Polen. Hier ist schon ein persönlicher Kontakt im nächsten Frühjahr geplant.
Denn der Austausch ist das Herzstück der MWIA.

Central Europe umfasst die DACH-Staaten und die östlichen Länder, wobei aufgrund der politischen Lage unsere Reichweite für persönliche Kontakte momentan beschränkt ist. Unsere starke 20-köpfige deutsche Delegation konnte sich schon beim ersten Regional Meeting in Kairo austauschen.

Über Anregungen und Mitteilungen zur internationalen Zusammenarbeit würde ich mich sehr freuen.

Dr. Cornelia Tauber-Bachmann

MWIA-Postkongressreise von Kairo bis nach Assuan, 18.10.- 24.10.2025

Post Congress Tour in Abu Simbel mit Reiseleiter Ahmed Adnan
Foto: © D. Werner
Unsere Reise begann in Alexandria im Nildelta, dem einstigen geistigen Zentrum der Antike. Wir besichtigten das römische Amphitheater, die neue Bibliothek und die Zitadelle. Sie steht an der Stelle des ehemaligen Leuchtturms von Pharos, dem jüngsten der sieben Weltwunder der Antike. Für uns Ärztinnen war die große Statue von Peseschet, einer Tochter von Ramses II., die vor der Bibliothek von Alexandria steht, von besonderem Interesse. Peseschet gilt als erste namentlich bekannte Ärztin der Welt, schon um 2400 vor Christus.

Nach sanfter Landung in Luxor, Teil von Oberägypten, wurden wir von unserem Reiseleiter Herrn Ahmed Adnan, Ägyptologe und Absolvent der Uni zu Kairo, herzlich in Empfang genommen. Unser erstes Abenteuer in Luxor startete mit der Tempelbesichtigung von Karnak. Der Tempel ist mit der etwa 3,5 km langen Prachtstraße der widderköpfigen Sphingen bis zum Tempel von Luxor verbunden. Seit 2011 wurde diese prächtige Allee aus dem Staub und Nilschlamm befreit, so dass man sie bis zum Ende durchlaufen kann. Der Säulen­saal des großen Amun-Tempels innerhalb der Anlage umfasst 134 Säulen in 16 Reihen. Man spürt echte Ehrfurcht vor ihrer Größe und kann die Unterschiedlichkeit der Kapitelle als offene oder geschlossene Papyrussäulen bewundern. Nach Besuch des faszinierenden und gut erhaltenen Tempels ging es in der Mittagshitze weiter zum Hatschepsut-Tempel, den wir per Elektroshuttlegefährt erreichten. Die Tempelanlage ist in zwei Ebenen angelegt. Polnische Architekten haben die zweite Etage originalgetreu restauriert. Nach dem atemberaubenden Blick aus dem Terrassentempel ging es zum Tal der Königinnen, um das Grab von Nefertari zu besichtigen und die 3.250 Jahre alten Fresken in diesem Grab zu bewundern.

Warmherziger Empfang in einer ägyptischen Familie: v. l. n. r.: Rita Haberger, die Gastgeberin und Matriarchin des Hauses, Dr. Renate Böhm und Dr. Marion Werner
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Am Ende des Nachmittags besuchten wir eine Familie in West-Theben, die uns herzlich in ihr Privathaus einlud und uns mit selbstgebackenem Brot, Marmelade und leckerem Käse zum Tee bewirtete. Wir konnten sogar einen Blick in die Küche werfen. Völlig erschöpft von den vielen Eindrücken checkten wir in unsere Hotelanlage auf einer Nilinsel ein.

Die Frühaufsteher unserer Gruppe konnten einen atemberaubenden Blick über das Tal der Könige bei Sonnenaufgang aus der Ballon-Perspektive erleben. Nach dem Frühstück brachen wir zum berühmten Tal der Könige auf, wo wir die Gräber der Söhne Ramses II., Tausret, Sethnacht und Merenptah, besuchten. Von dort ging es auf unser Nilschiff Royal Adventure, das uns bis nach Assuan fuhr. Dort besuchten wir die gut erhaltenen Tempelanlagen von Edfu. In der Nacht durchquerten wir mit etwa 360 weiteren Nilschiffen die große Schleuse – einige wenige unserer Gruppe konnten dies beobachten. Von Assuan aus besuchten wir den Philae-Tempel, der aufgrund des Assuan-Staudammes auf eine höhergelegene Insel versetzt wurde. Den Assuan-Staudamm erlebten wir in seiner mächtigen Breite und sahen die Wassermengen des Nassersees. Ein Highlight der Reise war die dreistündige Fahrt durch die Wüste nach Abu Simbel inkl. Sonnenaufgang. Dieser Tempel wurde von 1964 bis 1968 in einer einmaligen Rettungsaktion um 60 m versetzt, um vor den Wassermassen des Assuan-Staudamms gerettet zu werden.

Viele Erlebnisse der Reise ließen uns Land und Leute näher kennenlernen: unsere Besuche auf dem Bazaar und dem Markt, die Besichtigungen der vielen Moscheen und koptischen Kirchen und vor allem auch unsere Begegnung mit den Kindern einer Koranschule, die uns neugierig begrüßten. All das wurde uns durch die unglaublich gute Planung unseres Reiseleiters Ahmed Adnan ermöglicht. Es war eine Reise, die uns im Herzen berührte und die wir nicht so schnell vergessen werden.

Beate Pallagi, Dr. med. Elke Schulze Spüntrup und Lucia Best

Dr. Renate Böhm überreicht ein Dankeschön an Claudia Avram
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Ein Dank an Claudia Avram (Reisebüro Martha Mayer, München). Sie hat für die Beteiligten eine besondere, individuelle Reise gestaltet. Sie hat Unmögliches möglich gemacht. So hat sie den exzellenten Reiseleiter, den Ägyptologen der Universität Kairo Ahmed Adnan, akquiriert, der die Reise zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht hat.

Dr. Renate Böhm