Auszeichnung „Mutige Löwin“ des DÄB an PD Dr. Doreen Richardt übergeben

PD Dr. med. Doreen Richardt mit angesteckter Ehrennadel
Foto: Stephan Göhrmann
PD Dr. Doreen Richardt, Herzchirurgin aus Lübeck, hat die Auszeichnung „Mutige Löwin“ des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. (DÄB) erhalten. Auf der Beiratssitzung des DÄB am Samstag in Berlin wurde die Ehrennadel offiziell verliehen. Doreen Richardt habe sich vorbildlich für gerechte Arbeitsbedingungen eingesetzt, erklärte die Stifterin des Preises, Elke Burghard, in ihrer Laudatio. Doreen Richardt war vor einigen Monaten vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein freigestellt worden, nachdem ihr Vorgesetzter gewechselt hatte. Dagegen hatte sie geklagt und Recht bekommen. „Unsere Kollegin hat in dankenswerter Weise gegen die Praxis angekämpft, dass bestehende Arbeitsverträge sofort außer Kraft gesetzt werden, wenn ein neuer Chef berufen wird, der seinen eigenen Stab mitbringt“, sagte Burghard. Mit ihrem mutigen Schritt, die Vorgänge vor Gericht zu bringen und so öffentlich zu machen, trage Doreen Richardt dazu bei, Missstände in der Personalführung im Medizinwesen nicht länger als „üblich“ anzusehen.

Die Präsidentin des DÄB, Dr. Christiane Groß, begründete die Auszeichnung als „Mutige Löwin“ wie folgt: „Es ist mir eine große Freude, dass ich heute diesen Preis der Mutigen Löwin außerhalb der normalen Zeit vergeben darf. Als ich erstmals Kolleginnen von diesem Fall erzählt habe, musste ich mit Erschütterung feststellen, dass es selbst bei Frauen ans Selbstverständliche grenzt, dass oberärztliche Stellen freiwillig aufgegeben werden sollten, damit der neue Chef eigene Mitarbeiter einbringen kann. Es ist grandios, dass Doreen Richardt es durchgezogen hat, sich dieser unguten Tradition zu widersetzen. Es kann einfach nicht sein, dass auch heute noch davon ausgegangen wird, dass Oberärztinnen oder Oberärzte klaglos in einer solchen Situation ihren Platz räumen müssen und damit ihr ganzes Leben und das ihrer Familien in Mitleidenschaft gezogen wird.“

Dr. med. Christiane Groß, M.A., Präsidentin des DÄB; die Preisträgerin PD Dr. med. Doreen Richardt; die Stifterin der „Mutigen Löwin“, Elke Burghard und Dr. med. Tonia Iblher, Co-Vorsitzende der Regionalgruppe Lübeck des DÄB.
Foto: Stephan Göhrmann

Die Preisträgerin PD Dr. Doreen Richardt sagte, sie sei überwältigt von der außerordentlichen Auszeichnung. Daraus spreche die Solidarität unter berufstätigen Ärztinnen. „Es freut mich, dass die ergangenen Urteile Effekte zeigen“, sagte Richardt. „An Universitäten gibt es nun Bestrebungen, die Berufungsverfahren zu ändern. Neben der fachlichen Expertise soll zwingend auch die Führungsqualifikation in die Beurteilung einfließen. Außerdem hat sich das rechtliche Verhältnis zwischen Universitäten und universitären Arbeitgebern, wie den Universitätskliniken, konkretisiert. Es wurde klargestellt, dass universitäre Arbeitgeber arbeitsrechtliche Entscheidungen nicht in allen Konstellationen losgelöst von den Universitäten treffen können.“

Die Auszeichnung als „Mutige Löwin" wurde 2001 von Elke Burghard, Ärztliche Psychotherapeutin aus Neumünster, gestiftet und wird seither normalerweise alle zwei Jahre anlässlich der DÄB-Kongresse verliehen. Auf Grund der besonders aktuellen Umstände wurde die Ehrennadel nun bereits ein Jahr nach der letzten Verleihung an PD Dr. med. Doreen Richardt vergeben. Die "Mutige Löwin" ist eine Anstecknadel in Form eines Löwinnenkopfes mit Reißzahn. Der Preis gilt Frauen, in der Regel Ärztinnen, die sich mit ihren Taten, Verhaltensweisen und Einstellungen gegen Missstände, Benachteiligung und Ausgrenzung einsetzen – notfalls auch kämpferisch, eben wie eine Löwin.

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