Doreen Richardt erhält die Auszeichnung „Mutige Löwin“ des DÄB

Doreen Richardt
Foto: Jörg Wohlfromm
PD Dr. Doreen Richardt, Herzchirurgin aus Lübeck, erhält die Auszeichnung „Mutige Löwin“ des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. (DÄB). Normalerweise vergibt der DÄB den Preis in einem zweijährigen Turnus an Frauen, die gegen Widerstände ankämpfen. Abweichend davon erhält ihn diesmal schon nach einem Jahr PD Dr. Doreen Richardt. Der DÄB reagiert damit aktuell auf die außergewöhnliche Leistung und Stärke von Doreen Richardt und zollt ihrem unerschütterlichen Einsatz für gerechte Arbeitsbedingungen Respekt. Doreen Richardt wird die „Mutige Löwin“ im Herbst 2020 bei einer Sitzung des Beirats des DÄB erhalten.

Der DÄB begründet den Schritt wie folgt: Doreen Richardt ist eine vorbildliche Ärztin, hochqualifiziert als Herzchirurgin, mit bester wissenschaftlicher, fachlicher und persönlicher Reputation. Ärztinnen mit ihrem Werdegang sind im deutschen Medizinsystem, besonders in der Chirurgie, nach wie vor die große Ausnahme. Die Preisträgerin ist Mitglied im DÄB und dort aktiv als Vorsitzende der Regionalgruppe Lübeck sowie als Mitglied im Ausschuss „MentorinnenNetzwerk“. Zudem ist sie Beisitzerin im Vorstand der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Sie bietet seit langem ein Vorbild für viele junge Frauen auf dem Weg zu einer ärztlichen Karriere. Unter anderem zeigt die Mutter von 5 Kindern auf, dass sich berufliches Vorankommen und Familiengründung vereinbaren lassen.

Nun ist Doreen Richardt im Beruf etwas widerfahren, das man keinem Menschen wünscht. Es wurde der gezielte Versuch unternommen, sie beruflich kalt zu stellen und ihre Karriere zu vernichten. Dabei hat das nach wie vor massiv hierarchisch geprägte Medizinwesen seine dunkle Seite gezeigt und seine spezielle Funktionsweise voll ausgespielt. Doch Doreen Richardt hat nicht aufgegeben, sie hat sich von dem System nicht unterkriegen lassen. Als „Mutige Löwin“ hat sie den Kampf aufgenommen und siegreich ausgefochten: Ohne Unterstützung durch ihren Arbeitgeber, ganz auf sich gestellt, hat sie ihren Arbeitsplatz vor Gericht zurück erkämpft. Damit gibt Doreen Richardt auch in dieser unglaublich belastenden Situation ein Vorbild ab. Sie demonstriert menschliche Größe und Kraft. Sie hat ihre Arbeit wieder aufgenommen und zeigt damit jeden Tag den Willen, sich nicht zu beugen, wie das von ihr eigentlich erwartet wurde.

Indem sie die Vorgänge öffentlich macht, setzt sie sich für die Bekämpfung von Ungerechtigkeiten in der Arbeitswelt ein und schafft auch hier ein Vorbild für alle, die in den hierarchischen Strukturen der Medizin tätig sind.

„Der Fall von Doreen Richardt ist leider keine singuläre Angelegenheit. Wir wissen von mehreren ähnlichen Vorkommnissen, die nicht gerichtlich verfolgt werden, aber immer eine große Ohnmacht bei den Betroffenen hinterlassen“, sagt DÄB-Präsidentin Dr. Christiane Groß im Namen des Vorstands. „Der DÄB ist froh, dass wir eine Kollegin auszeichnen können, die sich widersetzt hat und die anderen Frauen als Beispiel dienen kann. Sie zeigt Mut!“

Die Stifterin des Preises „Mutige Löwin“, Elke Burghard, Ärztliche Psychotherapeutin aus Neumünster, sagt: „Doreen Richardt ist eine „Mutige Löwin“ im Sinne des Gründungsgedankens hinter dieser Auszeichnung. Damit werden Frauen gewürdigt, die Courage zeigen und dabei mitunter Risiken für ihr berufliches Fortkommen eingehen. Leider ist es für Frauen immer noch nötig, gelegentlich die Zähne zu zeigen, um etwas zu verändern.“

Seit dem Jahr 2001 ehrt der DÄB eine "Mutige Löwin" mit einer von einer Goldschmiedin gefertigten Anstecknadel in Form eines Löwinnenkopfes mit Reißzahn. Der Preis gilt Frauen, in der Regel Ärztinnen, die sich mit ihren Taten, Verhaltensweisen und Einstellungen gegen Missstände, Benachteiligung und Ausgrenzung einsetzen – notfalls auch kämpferisch, eben wie eine Löwin.
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