Karriere für Ärztinnen: nach wie vor Kraftakt und Hindernislauf

Tagung zu Karriereverläufen von Ärztinnen und Ärzten im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bestätigt: Die Chancen von Frauen in der fachärztlichen Weiterbildung sind nicht gestiegen.

Bei der ersten großen Tagung des Projekts Karriereverläufe von Ärztinnen und Ärzten in der fachärztlichen Weiterbildung (KarMed) in Hamburg wurden zahlreiche Barrieren benannt, die verhindern, dass Ärztinnen ihre fachärztliche Weiterbildung erfolgreich abschließen bzw. in der Medizin in Spitzenpositionen gelangen.

Projektleiter Prof. Dr. med. Hendrik van den Bussche: “Wir befragen jährlich mehr als 1.000 Absolventinnen und Absolventen des Medizinstudiums und unsere Leipziger Kolleginnen führen Interviews und Gruppendiskussionen mit Ärztinnen, Ärzten und Ärzteehepaare durch. Wir stellen immer wieder fest, dass Ärztinnen - insbesondere mit Kindern - kaum eine Chance haben, an die Spitze zu gelangen. Wir haben zudem beobachtet, dass Ärztinnen ihre Ansprüche auf jeder Stufe der Karriereleiter im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen eher einschränken. Das Fazit der Tagung ist, dass die Krankenhausträger für Arbeitsbedingungen und die Ärztekammern für Weiterbildungskonzepte sorgen müssen, die es Ärztinnen besser als bisher ermöglichen, ihre Weiterbildung erfolgreich abzuschließen, voll berufstätig zu sein und leitende Positionen einzunehmen. Dies ist speziell für Ärztinnen mit Kindern ein ungelöstes Problem.“

An der Tagung nahmen rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teil – ganz überwiegend Ärztinnen, die sich mit Expertinnen und Experten in Leitungsfunktionen in Kliniken, mit Gleichstellungsbeauftragten sowie Vertreterinnen von Ärztekammern und Verbänden austauschten. Die Tagung wurde vom Deutschen Ärztinnenbund e.V. in Kooperation mit dem Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und dem Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig durchgeführt.

Die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. med. Regine Rapp-Engels, fasste aus berufspolitischer Sicht zusammen: „Die Tagung hat beeindruckend gezeigt, wie sich das Berufsbild der Ärztin wandelt und dass die Chancen für Ärztinnen berufstätig zu sein und Karriere zu machen, bei gleichbleibenden Rollenzuweisungen nach wie vor stagnieren. Wir beobachten, dass der Ärztemangel Ärztinnen inzwischen auch bessere Perspektiven in den bislang männlich dominierten operativen Fächern eröffnet. Gleichzeitig kämpfen Ärztinnen und Ärzte mit Elternverantwortung nach wie vor mit unzureichenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Auch die derzeitigen Arbeitsbedingungen entsprechen keineswegs den Bedürfnissen der künftigen Ärztegeneration, die - unabhängig vom Geschlecht - nicht mehr lebt um zu arbeiten, sondern arbeitet um zu leben. Wir mahnen seit vielen Jahren an, das veränderte Berufsbild und die veränderten Lebensentwürfe der Ärztinnen und der Ärzte zu berücksichtigen. Wichtige Punkte sind hierbei eine Flexibilisierung und Überarbeitung der Weiterbildungsordnung sowie die Überarbeitung der Mutterschutzregelungen. Sehr deutlich wurde auf der Tagung, dass auch in der Weiterbildung die Freude am Arztberuf nur durch eine gute Betreuung und durch entsprechende Vorbilder geweckt und erhalten werden kann. Hier sind Mentoringprogramme wie das Mentorinnen-Netzwerk des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. sehr hilfreich.“

Einig waren sich Organisatoren und Teilnehmenden darin, dass es in Anbetracht des Ärztemangels und der Tatsache, dass zwei Drittel der Medizinstudierenden Frauen sind, einen großen, bisher jedoch weit unterschätzten Handlungsbedarf gibt.
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